Profil – Dr. Ulrike Pokorski da Cunha

Wer bist Du und wo kommst Du her?

Ich bin 1966 in Radolfzell am Bodensee geboren und bin dort aufgewachsen. Als Pfadfinderin habe ich früh Solidarität und Engagement für die Natur in der Praxis gelebt.
Ich habe in Deutschland, Frankreich und Japan Chemie studiert, als Unternehmensberaterin und Führungskräftetrainerin in Deutschland und Lateinamerika gearbeitet und bin seit 2003 in der Entwicklungszusammenarbeit tätig. Dabei habe ich zur Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen, zu Energieversorgung, Wasserversorgung und Wasserressourcenmanagement, zur Anpassung an den Klimawandel und zu ökologischer Landwirtschaft gearbeitet.Derzeit bin ich für internationale Digitalpolitik zuständig.
Ich lebe seit 2011 in Kronberg, zunächst als alleinerziehende Mutter zweier Söhne, inzwischen in einer Partnerschaft mit insgesamt 4 Kindern. Seit 2002 bin ich auf dem Weg zu einer tierleidärmeren und umweltfreundlicheren Ernährung.

Was machst du, wenn du nicht gerade Politik machst?

Wenn ich nicht arbeite findet man mich oft im Garten, der nach Permakulturprinzipien gestaltet werden soll. Aber zum Glück sind wir nicht darauf angewiesen uns selbst zu versorgen, denn unsere Ernten sind noch nicht so üppig.
Außerdem liebe ich Wasser und alle Aktivitäten am und im Wasser.

Was hat dich motiviert, in die Politik zu gehen?

Ich bin seit vielen Jahren in der Politikberatung tätig, habe im Ausland schon viel bewegen können und möchte nun auch zuhause etwas bewegen.

Welche Themen liegen dir besonders am Herzen?

Umwelt, nachhaltige Mobilität, Tierschutz, Verringerung der sozialen Ungleichheit.

Wie würdest du deinen Politikstil beschreiben?

Mutig, klar, respektvoll, überlegt und vor allem ehrlich. Ich vermisse bei vielen Politikern, dass sie auch mal Fehler einräumen oder jemandem von einer anderen Partei Recht geben. Ich möchte nicht das Ringen um die Macht, sondern das Ringen um die beste Lösung ins Zentrum stellen, und wenn jemand anders eine bessere Idee hat als ich, das anerkennen. Ich möchte der um sich greifenden Kultur von Desinformation Einhalt gebieten und faktenbasiert Politik machen.

Was war dein bisher größter Erfolg in der Politik?

Meine Erfolge sind in erster Linie die Erfolge meiner Entwicklungsprojekte.
Wir haben entscheidend dazu beigetragen, dass es in der Agenda 2030 ein Nachhaltigkeitsziel zu Wasser gibt, und dass das so gemessen wird, dass auch tatsächlich Zugang zusauberem Wasser gemessen wird.
Wir haben, gemeinsam mit der Regierung von Marokko, dafür gesorgt dass das Thema Wasser in den Klimaverhandlungen Gehör findet.
Wir haben es geschafft, dass in Balochistan Mädchen nicht mehr mit Einsetzen der Menstruation die Schule verlassen müssen, sondern das Thema Menstruationshygiene im Curriculum aufgegriffen und Schultoiletten darauf ausgerichtet waren.
Wir haben das jordanische Bildungsministerium davon überzeugt, Schulen behindertengerecht zu gestalten.
Wir haben in Guatemala die Beratung von Kleinbauern durch das Landwirtschaftsministerium auf klimaangepasste, agroökologische Landwirtschaft ausgerichtet.
In Deutschland ist mein größter Erfolg bisher mein Listenplatz auf der Taunusliste 😉

Wie stehst du zu Digitalisierung und Technologie?

Digitalisierung birgt Chancen und Risiken. Digitalisierung passiert, rasend schnell. Wir werden zunehmend abhängig von digitalen Technologien und denen, die sie dominieren. Digitale Souveränitat ist daher unverzichtbar.
Gleichzeitig müssen wir uns davor schützen, handlungsunfähig zu werden, wenn die digitalen Lösungen ausfallen oder abgestellt werden, das heißt, wir müssen auch analog handlungsfähig bleiben. Außerdem darf niemand ausgeschlossen werden weil sie oder er Digitalisierung nicht nutzen kann oder möchte.
Digitale Teilhabe soll aber für alle möglich sein. Zugangsbarrieren zu Digitalisierung, auch für Menschen mit Behinderung sollten abgebaut werden.
Digitalisierung kann zur Lösung von Umwelt- und Mobilitätsthemen einen enormen Beitrag leisten, aber hat auch einen immensen Energieverbrauch.
Nicht alle Probleme werden technologisch lösbar sein, und auf manche Technologien (z.B. Atomkraft) sollte man ganz verzichten, andere sollten selektiver eingesetzt werden. Insbesondere die Studien zu den Auswirkungen des Konsums digitaler Medien auf Kinder und Jugendliche muss man ernst nehmen und geeignete Rahmenbedingungen schaffen.

Was würdest du ändern, wenn du könntest?

Ich wünsche mir eine Gesellschaft mit mehr Mitgefühl.
Mit anderen Menschen, gerade auch denen, die nicht das große Los in der Geburtslotterie gezogen haben.
Ein Gefühl der Verbundenheit. Auch mit Tieren. Mit der Natur. Und eine Politik, die nicht auf Wirtschaftswachstum um jeden Preis setzt, sondern das in den Mittelpunkt stellt, was Menschen glücklich macht: Gemeinschaft, Gesundheit, Sicherheit, und eine intakte Umwelt.
Weniger ist manchmal mehr.
Weniger Ungleichheit, weniger Umweltzerstörung, weniger Desinformation, weniger Egoismus und mehr gutes Leben.

Was sollen die Leute über dich wissen?

Ich bin lösungsorientiert, ehrlich, konfliktfähig und kann auch mal emotional werden.
Ich bin davon überzeugt, dass ein „weiter so“ keine Option ist und möchte einen Beitrag zu dem notwendigen Wandel leisten.
Für eine lebenswerte Welt. Hier bei uns. Und überall.